Mehrfamilienhaus Kennerweg
Ort
Konstanz Wollmatingen
Jahr
2024
NGF I BRI
1.240m² I 4.950m³
Kategorie
Wohnen
Bauen in der Gruppe
Bearbeitung
Carla Weiland
Jenia Dück
Fotos
Manuel Martini
Bauen in turbulenten Zeiten
Auf einem Grundstück im historischen Ortskern von Konstanz-Wollmatingen wurde eine private Baugruppe ein nachhaltiges Wohngebäude mit 11 unterschiedlich großen Wohneinheiten realisiert.
Als Ersatz für einen maroden Gebäudebestand entstand die Chance auf ein zeitgemäßes Wohnbauprojekt, welches neben seinen nachhaltigen Qualitäten auch über eine Strahlkraft verfügt, die Einfluss auf eine positive Entwicklung des Ortskerns nehmen kann.
Das neue Gebäude präsentiert sich in einem heterogenen Gebäudebestand mit einer kompakten, kraftvollen Gebäudeform, bestehend aus 2 aneinandergefügten asymmetrischen Satteldächern. Diese resultiert aus den städtebaulichen Vorgaben der Stadt, die zur Straße hin eine 2-geschossige Wirkung vorgab. Sie ermöglicht darüber hinaus eine attraktive Nutzung und Gestaltung der loftartigen Wohneinheiten unter dem Dach, die von den großzügigen Lufträumen profitieren. Durch die gewählte Dachgeometrie konnte die Architektur geschärft und von störenden Dachaufbauten komplett freigehalten werden. Auf den beiden großen südlichen Dachflächen wurden zurückhaltend großflächige PV-Anlagen integriert.
Das Architekturkonzept zeichnet sich durch ausgewählte, hochwertige und wohngesunde Materialien aus. Die lasierte Holzfassade, die sich auch über die Brüstungen der Loggien erstreckt spielt mit unterschiedlicher Durchlässigkeit. Dies führt zu einer großen Materialreinheit und strahlt eine außergewöhnliche Ruhe aus.
Die Ausbildung der privaten Freibereiche als integrierte Loggien schafft einen hohen Nutzwert.
Im östlichen Grundstücksbereich liegt ein schön gegliederter Eingangsbereich. Die Ausrundung der Gebäudeecke markiert den Zugang von der Straße zum zentralen Eingangshof und unterstützt die Identifikation und Adressbildung. Der Eingangsbereich dient als „Shared Space“ und kann von den Bewohnern auch als zusätzlicher Aktionsbereich (z.B. für Nachbarschaftsfeste) genutzt werden.
Der Topographie folgend befindet sich etwas erhöht das zentrale „Plätzle“ mit einem schönen, schattenspendenden Baum. Dieses vermittelt zwischen dem neuen Gebäude und dem Bestandsgebäude, welches auch darüber erschlossen wird. Der Platz ist durch den begrünten Carport räumlich vom Eingangshof getrennt und erhält dadurch einen etwas intimeren Charakter.
Auf eine Flächenversiegelung wurde vollständig verzichtet. Die Außenbereiche sind versickerungsfähig mit einem Feinkiesbelag oder als Rasen- / Pflanzbereiche ausgebildet. Dadurch wird eine maximale Pufferung und Versickerung des Niederschlagswassers direkt auf dem Grundstück erreicht.
In der Summe stellt das Baugruppenprojekt ein ökologisch, sozial, technisch und wirtschaftlich verantwortungsvolles und nachhaltiges Projekt dar, welches von der Architektenkammer Baden-Württemberg als beispielhaft für Konstanz ausgezeichnet wurde.
